Der ESP8266 (ESP-01)

Die meisten meiner Sensoren habe ich an verschiedene Varianten des ESP8266 angeschlossen. Die ESPs sind preiswerter als die Arduinos und haben zudem den Vorteil, dass sie WLAN bereits onboard haben. Die Kommunikation mit einem Server ist also kein Problem.

Den ESP8266 gibt es in unglaublich vielen Varianten (d.h. er ist auf sehr vielen unterschiedlichen Boards verbaut). Die Modelle unterscheiden sich vor allem darin, wieviel Anschlüsse des Prozessors herausgeführt werden.

Ich werde hier nicht auf alle Einzelheiten eingehen, aber ein wesentlicher Unterschied dieser Modelle sollte genannt werden: Der ESP8266 besitzt nämlich einen Anschluss, der erforderlich ist, um ihn in einen sogenannten „Deep Sleep„-Modus zu bringen, in dem er so gut wie keine Energie verbraucht. Um ihn aus dem Deep-Sleep-Modus automatisch wieder „aufzuwecken“, muss dieser Anschluss (GPIO16 bzw. D0) mit dem Reset verbunden sein, sonst wachte der ESP nicht automatisch auf.

Das einfachste Modell ist der ESP-01, bei dem der GPIO16 nicht herausgeführt ist. Damit ist er nicht ohne weiteresDeep Sleep„-fähig. (Mehr dazu weiter unten!)

Seine wesentlichen Vorteile sind der Preis (weniger als 2,50€ – Stand März 2020) sowie die geringe Baugröße.

Nachteile:

  • Will man ihn auf einem Breadboard einsetzen, so hat man die Wahl zwischen „frei fliegender“ Verkabelung oder der Anschaffung eines Adapters
  • Zum Programmieren benötigt man zusätzlich einen USB-TTL-Adapter (der aber eigentlich in jede Elektronik-Bastelkiste gehört).

Will man den ESP-01 flashen, so muss man folgende Verbindungen zum USB-TTL-Adapter herstellen:

GND → GND
VCC → 3.3V
RX → TX
TX → RX

Damit der ESP in den „Flash“-Mode versetzt wird, muss beim Einschalten der GPIO0-Anschluss auf Masse gelegt werden. Es empfielt sich, dies über einen Pushbutton zu realisieren, denn nach dem Flashen läuft das Programm gleich los und wenn der GPIO0 dann noch auf Masse liegt, im Programm aber auf 3,3V gesetzt wird, gibt es Probleme!

ESP-01
Breadboard-Adapter

USB-TTL-Adapter

Ich programmiere den ESP über die Arduino IDE. Diese muss allerdings zunächst für den Umgang mit dem ESP fit gemacht werden. Wie das geht ist im Netz ausführlich beschrieben, z.B besonders ausführlich hier auf einer Seite des Heise-Verlags.

Die Bedeutung der Anschlüsse

Zum Teil habe ich die Anschlüsse ja bereits oben beschrieben. Ground und VCC(3.3V) sind ohnehin klar. TX und RX können so wie GPIO0 und GPIO2 als GPIOs betrieben werden: TX wäre dann GPIO1, RX wäre GPIO3. Der CH_PD-Pin muss zum Betrieb des ESPs über einen Pullup Widerstand (10k) auf High gezogen werden. Bei einigen Modellen ist das bereits auf dem Board erledigt, bei anderen nicht. Am besten misst man nach – ich habe anfangs oft völlig verzweifelt nach einem Fehler gesucht, wenn eine Schaltung mal funktionierte, mal nicht, bis ich diesen Umstand bemerkte. Einfach mal den Widerstand zwischen CH_PD und VCC messen – ca. 10k ist in Ordnung, sonst (bei weit größerem Widerstand) ist ein eigener Pullup-Widerstand (4.7k – 10k) erforderlich! Wie ich aus anderen Quellen entnommen habe, war der ESP früher einmal gedacht, um den Arduino WLAN-fähig zu machen. Der CH_PD-Pin war in dem Zusammenhang als Möglichkeit vorgesehen, den ESP auszuschalten, wenn er nicht gebraucht wurde. Im Alleinbetrieb ist der Pin obsolet und wird wie oben beschrieben entweder auf per Pullup aktiviert oder gar nicht benutzt – je nach ESP-Variante.

Auch für den Reset-Pin wird ein Pullup manchmal empfohlen – bei mir war das aber bei allen Modellen bereits über das Board erledigt – im Zweifel auch hier messen! Für einen Reset muss der Pin auf Masse gelegt werden.

Damit wäre (fast) alles zum ESP-01 gesagt. Der in meinen Augen größte Nachteil dieser Bauform ist die Tatsache, dass der GPIO16 nicht herausgeführt wurde. Deshalb kann der ESP aus dem Deep Sleep nicht von allein wieder erwachen. Mit einem bisschen Fummelei geht es allerdings doch: Der GPIO16 ist direkt auf dem Chip verhältnismäßig leicht zu erreichen, weil er auf einer Ecke liegt (rot markiert). Mit etwas Geschick gelingt es, dort einen feinen Draht anzulöten und ihn darüber mit dem Reset-Pin zu verbinden.

ESP mit angelötetem Draht für den Deep Sleep

Bei einigen ESP-01-Varianten existiert eine rote LED, die die Spannungsversorgung anzeigt (grün markiert). Diese erlischt auch im Deep Sleep Modus nicht und verbraucht Energie. Man kann sie jedoch leicht entfernen. Ich habe sie einfach vorsichtig mit einem Teppichmesser weggekratzt. Der Betrieb des ESP wird durch das Entfernen nicht beeinflusst!

Anders, als bei anderen ESP-Modellen läßt sich der ESP-01 übrigens auch mit fester Drahtverbindung zwischen GPIO16 und Reset weiterhin wie gewohnt flashen. Die Drahtbrücke muss dafür nicht unterbrochen werden

Möchte man sich die Löterei sparen, aber dennoch nicht auf den Deep Sleep Modus verzichten (bzw. das automatische Aufwachen daraus), so muss man auf ein anderes Modell des ESP8266 ausweichen. Einige davon werde ich in einem späteren Blog besprechen…

Man kann den ESP auch ohne jede Peripherie einfach als Webserver betreiben. Wie das geht, habe ich in einem anderen Blog beschrieben: ESP als Webserver

Einen Beispielssketch, der die Arbeitsweise des ESP als MQTT-Client zeigt habe ich im Blog ESP und MQTT beschrieben.

Projekt Wetterstation

Projekt Wetterstation

Noch eine Wetterstation? Ich weiß, dass es im Netz nur so von Beiträgen dieser Art wimmelt, aber jeder Beitrag hat letztendlich seine eigene Note!

Sensoren für Umwelt- und Wettermessungen gibt es online für kleines Geld – wenn man direkt aus China kauft bekommt man die Sensoren fast nachgeschmissen.

Die erste Frage, die sich beim Aufbau einer Messstation stellt, ist die Frage nach dem geeigneten Board. Man findet viele Beispiele, die den Raspberry Pi einsetzen, aber meiner Meinung nach würde man in diesem Fall mit Kanonen auf Spatzen schießen. Der Raspi würde sich die meiste Zeit langweilen. Außerdem ist er von allen Boards die teuerste Variante, selbst der Raspberry Zero kostet noch um die 20 €.

Der Arduino ist schon ein Stück preiswerter, in der Version Arduino Nano bekommt man ihn für ca. 5€. Hier steht man allerdings vor dem Problem, dass es keine direkte Implementierung von LAN, WLAN oder ähnlichem gibt – das muss man noch extra nachrüsten, was den Preis in die Höhe treibt.

Ich bin dann letztendlich beim ESP8266 gelandet. Die einfachste Version, ESP-01, bekommt man bereits für etwas mehr als 2€ pro Stück. (Eine ausführlichere Beschreibung des ESP-01 in einem anderen Blog!) Er hat bereits ein WLAN-Modul onboard sowie 1MB Speicher für Programme. Um einen Temperatursensor (z.B. den Dallas DS18B20), einen Temperatur-/Luftfeuchtigkeitssensor (z.B. DHT22) oder selbst einen Sensor für Temperatur, Feuchte und Luftdruck (BME/BMP 280) zu betreiben, reicht er völlig aus.

ESP8266
ESP-01
Dallas DS18B20
DHT11/DHT22/AM2302

Der grundsätzliche Aufbau ist absolut simpel: Man verbindet jeweils Masse (Ground) des Sensors mit Masse des ESP, entprechens VCC mit VCC. Die Datenleitung wird einmal mit dem IO02-Pin des ESP verbunden sowie über einen 4,2k Widerstand auf 3,3V gelegt. Hier das Beispiel-Layout für des DS18B20:

Fritzing Layout für ESP und DS18B20
Fritzing-Layout

Als Spannungsquelle habe ich hier zwei AA-Batterien gesetzt. Man kann natürlich die ca 3,3V auf jede beliebige Weise bereitstellen. Ich habe z.B. alte Steckernetzteile von irgendwelchem Elektronikschrott reaktiviert und über Step-Down-Regler auf 3,3V herunter geregelt. (Man sollte da nicht gerade ein 12V Netzteil nehmen – dann fängt der Stepdown-Regler ganz ordentlich an zu heizen!)

Fehlt noch die Software („Firmware“) für den ESP und der Sensor kann seine Daten liefern. Für das Ausliefern der Daten gibt es natürlich gleich wieder eine Vielzahl von Möglichkeiten – Speichern auf einem Server, Abruf von einer Webpage (der ESP kann als Webserver arbeiten), Anschluss an einen MQTT-Broker …

Ich habe mich für eine Kombination aus MQTT und Webpage entschieden. Zunächst MQTT, weil es eine super simple Art ist, die Daten anderen Geräten zur Verfügung zu stellen, dann die Webpage, weil es mir darüber möglich ist, weitere Infos abzurufen sowie Einstellungen am ESP zu verändern.

Für den MQTT-Broker habe ich meinen ältesten Raspberry B2 ausgesucht – darauf läuft der Broker ohne Probleme, zusätzlich betreibe ich darauf noch NodeRed um die eingehenden Daten graphisch aufzubereiten und zu veröffentlichen und letztendlich habe ich auf den Raspi noch einen BME/BMP 280 und einen 433MHz-Sender gesteckt, so dass der Raspi in dem Raum, in dem er steht (mein Büro) Luftdruck, Temperatur und Feuchte misst, der 433MHz-Sender steuert meine alten Funksteckdosen.

Raspberry B2 mit Aufsteckplatine und Sensor / 433MHz Sender
Raspberry B2 mit Bme/BMP280 und 433MHz-Sender

Die Details werde ich in weiteren Blog-Beiträgen veröffentlichen!